Die Hauptverhandlung gegen den unter anderem des versuchten Mordes angeklagten 21-Jährigen werde vor einer Jugendkammer des Landgerichts eröffnet und sei nicht öffentlich, teilte das Gericht mit. Insgesamt sind für den Prozess bis Dezember nächsten Jahres 82 Verhandlungstermine angesetzt.
Shahriar J. ist laut Staatsanwaltschaft Hamburg unter anderem wegen Mordes und fünffach versuchten Mordes angeklagt. Sie hatte über vier Jahre gegen den mutmaßlichen Kindermörder, der den 13-jährigen Tim aus dem US-Bundesstaat Washington in den Tod getrieben haben soll, ermittelt. Mitte Juni war er in der elterlichen Wohnung festgenommen worden.
„White Tiger“ werden 204 Straftaten vorgeworfen: Insgesamt werden dem Angeklagten 204 Straftaten zur Last gelegt, die er als Jugendlicher oder Heranwachsender zum Nachteil von mehr als 30 kindlichen und jugendlichen Geschädigten begangen haben soll. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um über das Internet begangene Straftaten gegen das Leben, die körperliche Unversehrtheit und die sexuelle Selbstbestimmung. Die Taten soll der „White Tiger“ zwischen Januar 2021 und September 2023 begangen haben.

Opfer sind zwischen elf und 15 Jahre alt: Der Deutsch-Iraner soll der Kopf einer Gruppe von Cyberkriminellen gewesen sein, die aus sexueller Motivation heraus Kinder im Alter von elf bis 15 Jahren im Internet zu Gewalt gegen sich selbst gezwungen haben. Dabei soll er besonders verletzliche Kinder in sozialen Medien emotional von sich abhängig gemacht haben. Das perfide Ziel: Die Verbundenheit unter anderem für die Erstellung kinder- und jugendpornografischer Aufnahmen auszunutzen.

Die Kinder stammen laut früherer Angaben der Ermittler aus Deutschland, England, Kanada und den USA. Neben dem US-amerikanischen Tim, der in den Suizid getrieben worden sein soll, habe auch eine 14-jährige Kanadierin versucht, sich umzubringen. Von den deutschen Opfern stammen den Behörden zufolge zwei aus Hamburg und eines aus Niedersachsen.
Um den Forderungen des „White Tigers“ nach immer heftiger werdenden Inhalten nachzukommen, verletzten sich die Kinder in Livechats unter den Augen von Zuschauern selbst oder übten sexuelle Handlungen an sich aus. Das soll Shahriar J. aufgezeichnet haben. Anschließend soll er den Kindern mit der Veröffentlichung der Videos gedroht haben, wenn sie sich nicht noch gravierendere Selbstverletzungen vor laufender Kamera zufügten.