
30. August 1933. Adolf Hitler steht vor einem Meer uniformierter Jugendlicher bei einer Massenkundgebung in Nürnberg.
Seine Stimme hallt über die Menge. Dies ist keine bloße Demonstration der Einheit, sondern eine Erklärung des biologischen Eroberungswillens.
Durch die Hitlerjugend und ihren weiblichen Zweig, den Bund deutscher Mädel, macht das NS-Regime seine Kundgebungen zu Schauplätzen einer pervertierten Vision, zur Wiege einer künftigen arischen Rasse.
Planmäßig werden Jungen in paramilitärische Übungen geführt, indoktriniert in Stärke, Opferbereitschaft, Rassenreinheit und bedingungslose Loyalität.
Mädchen hingegen werden auf ihre Bestimmung als Mütter des Reiches vorbereitet, in häuslichen Fertigkeiten geschult und dazu erzogen, Geburt und Mutterschaft als patriotische Pflicht zu verehren.
Doch unter der Oberfläche von Jugendlichkeit und Feierlichkeit entfaltet sich etwas Dunkleres.
Die Kundgebungen, die Propaganda, die Uniformen – sie dienen alle demselben Ziel der Rekrutierung und Vorbereitung.
Das Regime stellt die Jugend als biologische Zukunft dar, als Acker, auf dem Körper, Ideologie und Generation untrennbar miteinander verbunden sind.
Durch Druck, Zwang und soziale Manipulation formten die Nationalsozialisten die deutsche Jugend zu Zuchtmaterial für das rücksichtslose, beinahe industrielle Projekt der rassischen Reproduktion des Dritten Reiches.
Die Nationalsozialisten bauten ihren Rassenstaat auf den Grundlagen der Eugenik und der gezielten Zucht auf.

Im Dezember 1935 gründete die SS das Lebensbornprogramm, den sogenannten „Quell des Lebens“, um sicherzustellen, dass Deutschlands Zukunft mit als rassisch rein geltenden Kindern gefüllt sein würde.
Heinrich Himmler, der SS-Reichsführer, der die SS als biologische Elite des Reiches betrachtete, entwarf die Vision einer neuen Aristokratie, geboren aus sorgfältig ausgewählten Verbindungen.
Das Programm akzeptierte nur Bewerber, die ihre arische Abstammung und Gesundheit nachweisen konnten.
Sie wurden auf erbliche Krankheiten, psychische Störungen oder jegliche Anzeichen sogenannter rassenmäßiger Unreinheit untersucht.
Eine familiäre Vorgeschichte von Behinderung oder Schwäche konnte zur Disqualifikation führen.
Die Nationalsozialisten behaupteten, sogar Eigenschaften wie Treue und Tapferkeit seien erblich und versuchten, diese durch gezielte Zucht herzustellen.
Das Regime setzte Frauen unter enormen Druck. Unverheiratete Mütter trugen in der Gesellschaft ein schweres Stigma.
Doch Himmler suchte sie gezielt auf, wenn sie als rassisch wertvoll galten.
Die Lebensbornheime boten Anonymität, medizinische Betreuung und einen sicheren Ort zur Geburt, unter der Bedingung, dass die Mütter das Sorgerecht an die SS abtraten.
Die Kinder konnten in loyale NS-Familien adoptiert oder in staatlichen Einrichtungen aufgezogen werden, getrennt von ihren Ursprüngen.
Gleichzeitig kriminalisierte der Staat Abtreibungen für gesunde Frauen, während er Zwangssterilisationen und Abtreibungen bei als minderwertig eingestuften Frauen erzwang.
Auf diese Weise spaltete die NS-Ideologie die Gesellschaft.
Für die eine Gruppe wurde Mutterschaft zur patriotischen Pflicht erhoben, während der anderen das Recht auf Fortpflanzung entzogen wurde.
Das Programm wuchs während des Krieges. Als die Verluste zunahmen, fürchtete Himmler, dass Deutschland zu viele rassisch wertvolle Männer verlor.
Lebensborn weitete sich auf die besetzten Gebiete aus und deutsche Soldaten zeugten Kinder mit einheimischen Frauen, die dem rassischen Ideal entsprachen.
Tausende Kinder aus Polen, der Tschechoslowakei und anderen Ländern wurden entführt, allein, weil sie „deutsch“ aussahen.
Diese Kinder wurden ihren Familien weggenommen, germanisiert und neuen Eltern gegeben, die oft glaubten, sie nähmen Kriegswaisen auf.
Himmler beschrieb Frauen wiederholt als „Kriegerinnen der Nation“, deren Schlachtfeld die Wiege sei.
Er war überzeugt, dass das Überleben des Reiches ebenso vom Gebären wie vom Kämpfen abhing.
Die NS-Propaganda verherrlichte Mütter mit vielen Kindern und zeichnete sie mit dem Ehrenkreuz der deutschen Mutter aus, einer Medaille, die die Geburt zu einem staatlich geförderten Dienst erhob.
Plakate, Filme und Reden feierten die arische Familie mit blonden Kindern, die sich um lächelnde Mütter scharten.
Die Botschaft war eindeutig: Kinder zu bekommen war keine private Entscheidung, sondern eine patriotische Verpflichtung.
Die Lebensbornheime, äußerlich luxuriös, waren Teil dieser umfassenden Kampagne, die Frauenidentität untrennbar an das rassische Projekt des Regimes band.
Eine Geschichte zeigt, wie dieses System funktionierte. Hilde Katrutz, eine junge Anhängerin des Regimes, trat 1933 dem Bund deutscher Mädel bei und wurde für ihr blondes Haar, ihre blauen Augen und ihre gebärfähigen Hüften gelobt.
Im Jahr 1936, als sie die Schule abschloss, wurde sie ermutigt, das zu tun, was die Nationalsozialisten als Deutschlands dringendstes Bedürfnis bezeichneten: Hitler ein Kind zu schenken.
Sie wurde in ein Lebensbornheim eingeladen, das in einem Schloss in Bayern untergebracht war.
Dort schloss sie sich Dutzenden junger Frauen an, die unter falschem Namen lebten und von SS-Ärzten sorgfältig untersucht wurden.
Sie mussten schwören, dass ihre Familien keine Erbkrankheiten aufwiesen.
Jede von ihnen wurde angewiesen, alle Rechte an ihren zukünftigen Kindern an den Staat abzutreten.
Das Heim wurde als luxuriös dargestellt, mit gutem Essen und Freizeitangeboten, doch sein eigentlicher Zweck war klinisch gezielte Zucht.
Die Frauen wurden hochgewachsenen, blonden SS-Offizieren vorgestellt, deren Identität geheim blieb.
Sie verbrachten einige Tage miteinander, bevor sie aufgefordert wurden, einen Partner zu wählen, der ihren eigenen Merkmalen entsprach.
Trotz erinnerte sich an ihre Aufregung. An bestimmten Abenden mussten sie und andere Mädchen den ausgewählten Offizier empfangen.
Später beschrieb sie die Begegnung als Akte der Loyalität gegenüber Hitler, nicht als intime Beziehung.
Als sie schwanger wurde, wurde sie in ein Entbindungsheim verlegt.
Nach der Geburt stillte sie ihren Sohn kurz, bevor er von der SS weggenommen wurde, um in deren Obhut aufzuwachsen. Sie sah ihn nie wieder.
Ihre Geschichte war nicht einzigartig.
Schätzungen zufolge wurden während der 12 Jahre der NS-Herrschaft etwa 20.000 Kinder im Dritten Reich und in den von Deutschland besetzten Gebieten durch das Lebensbornprogramm geboren.
Viele wuchsen auf, ohne ihre Eltern zu kennen, und sahen sich nach dem Krieg mit Stigmatisierung und Geheimhaltung um ihre Herkunft konfrontiert.
Über das offizielle Zuchtprogramm hinaus wurden die NS-Jugendkundgebungen selbst zu Brutstätten.
Der Bund deutscher Mädel erhielt den Spitznamen „Bund deutscher Matratzen“ wegen seines Rufs für sexuelle Freizügigkeit.
Führerinnen hielten offen Vorträge über die Bedeutung, Kinder für das Reich zu gebären.
In manchen Fällen wurden uneheliche Schwangerschaften gefeiert statt verurteilt.
Eltern beschwerten sich, dass die Bewegung ihre Autorität untergrub und ihre Töchter dazu brachte, traditionelle Moralvorstellungen zu missachten.
Lager für Jungen und Mädchen lagen oft nebeneinander und Kontakte wurden nicht nur toleriert, sondern stillschweigend gefördert.
Beim Nürnberger Reichsparteitag 1936 kehrten fast 900 Mädchen des Bundes deutscher Mädel nach Hause zurück – schwanger nach Begegnungen mit Mitgliedern der Hitlerjugend.
Im Jahr 1937 war die Situation so offensichtlich geworden, dass die Behörden gemischte Lager offiziell verboten.
Doch die Kultur sexueller Ermutigung blieb bestehen. Die Nationalsozialisten hatten die Moral neu definiert.
Entscheidend war nicht mehr Keuschheit, sondern die Erzeugung rassisch erwünschter Kinder.
Für das Regime war die höchste Berufung einer jungen Frau, Kinder für Hitlers Zukunft zu gebären.
Als Deutschland 1945 fiel, trugen die Lebensbornkinder die Narben ihrer Herkunft in eine feindselige Welt hinein.
Viele wurden als „Nazibabys“ geächtet, von Gleichaltrigen gemieden oder in Waisenhäusern versteckt.
In Norwegen, wo Tausende Kinder von deutschen Soldaten gezeugt worden waren, galten diese Kinder manchmal als Verräter und wurden für die Umstände ihrer Geburt bestraft.
Andere litten unter zerrissenen Identitäten, da sie ihre Eltern nie kannten oder erst spät erfuhren, dass sie aus ihren wahren Familien in Osteuropa entführt worden waren.
Für ihre Mütter brachte das Kriegsende oft lebenslangen Schmerz.
Einige wurden als Kollaborateurinnen verachtet, andere lebten mit dem stillen Trauma, ihre Kinder nie wiedergefunden zu haben.
Die Realität dieser Politik war weitaus zerstörerischer, als die Propaganda versprach.
Lebensbornheime behaupteten, Komfort und moderne Fürsorge zu bieten, doch Berichte über schlechte medizinische Behandlung machten die Runde.
Die meisten Frauen suchten trotz strenger Strafen weiterhin nach Wegen zur Abtreibung und das Programm erreichte nie die Zahlen, von denen Himmler träumte.
Die offiziellen Geburten innerhalb der Lebensbornheime in Bayern und anderen Regionen Deutschlands beliefen sich auf nur etwa 7.000.
Weit mehr Kinder waren im Ausland entführt und in deutsche Familien gezwungen worden.
Für die Frauen bedeutete die Teilnahme oft Ausbeutung, getarnt als Pflicht.
Für die Kinder bedeutete sie ein Leben mit verlorener Identität, getrennt von ihren Familien und stigmatisiert, lange nach dem Ende des Krieges.
Am Ende hinterließen die nationalsozialistischen Zuchtstätten zerbrochene Familien, gestohlene Kindheiten und ein Erbe der Scham.
Himmlers Traum von einer rassisch-elitären Aristokratie verwirklichte sich nie.
Stattdessen steht das Programm heute als erschütternde Erinnerung daran, wie Ideologie selbst die intimsten Bereiche des Lebens verderben kann und Liebe, Sexualität und Mutterschaft zu Werkzeugen eines brutalen Staates machte.
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